Gesundheitberatung für afrikanische und arabische Frauen -
Rückblick 2007

Seit September 2007 gibt es das neue Angebot der Gesundheitsberatung für afrikanische und arabische Frauen im FEM Süd.

Die Beratung wird in Französisch, Arabisch, Englisch und Deutsch angeboten. Nicht nur die Weitergabe von Information in der Muttersprache ist wichtig - es gilt auch strukturelle Barrieren unter Berücksichtigung kultureller Belange abzubauen und die Frauen in ihrem Lebensumfeld abzuholen um sie zu einer selbst bestimmten Gesundheitsförderung anzuregen.

Von September bis Dezember 2007 konnten bereits 190 Beratungsgespräche mit 40 Frauen geführt werden. Die Themen die dabei im Mittelpunkt standen waren:

  • Allgemeine Gesundheitsberatung
  • Erklärung von Krankheitsbildern
  • Erklärung von Fachausdrücken
  • Erklärung von Operationen
  • Erklärung der Wirkung und Dosierung von Medikamenten
  • Hilfe bei der Suche von ÄrztInnen
  • Aufklärung von Missverständnissen zwischen ÄrtzInnen und Patientinnen
  • Gynäkologische Beschwerden
  • Hormonelle Probleme
  • Wechselbeschwerden
  • FGM (female genital mutilation)
  • Verhütung
  • Kinderwunsch
  • Schwangerschaft und Geburt
  • Psychische Probleme
  • u.v.m.

Allgemeine Gesundheitsberatung war bei allen afrikanischen und arabischen Frauen, die ins FEM Süd kamen, Thema. Hier suchten Frauen Beratung, Erklärung und Information  v.a. wegen Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch, psychischen Problemen (Stress, Depression, posttraumatische Belastung), Verhütung, Female Genital Mutilation (damit in Zusammenhang sind v.a. Menstruationsprobleme und –beschwerden, psychologische Probleme, Fragen zu Sexualität und Geburt).

Immer waren auch muttersprachliche Erklärungen von Krankheitsbildern Thema, häufig auch Erklärung von medizinischen Fachausdrücken sowie über Wirkung und Dosierung von Medikamenten. Viele afrikanische und arabische Frauen suchen  ÄrztInnen, die über Kenntnisse auch im Bereich FGM verfügen und sensibel auf ihre Symptomatik reagieren.  

Wesentliche Problemstellungen ergeben sich oft für afrikanische Frauen im psychischen Bereich – schwere Traumatisierungen im Heimatland, Kriegs- und Verlusterlebnisse sowie aktuelle konfliktreiche Partnerschaften machen psychologische/psychotherapeutische Beratung unumgänglich. Bei ca. einem Viertel der Frauen, die 2007 Beratung in Anspruch nahmen, waren psychische Probleme im Vordergrund der Beratung. Auffällig ist, dass keine einzige Frau explizit wegen erlittener Genitalverstümmelung Beratung aufsuchte – die betroffenen Frauen kamen aus anderen, oftmals medizinischen oder psychologischen Gründen, die aktuell im Vordergrund standen. Erst die längerfristige, sensible Betreuung führte zu einem Vertrauensverhältnis, in dem auch weitere Themen, u.a. FGM angesprochen wurden.

Zusätzlich zu medizinischen und psychischen Problemstellungen waren soziale Fragen oftmals Thema der Beratungen. Als Hauptprobleme sind hier Sprachbarrieren, Arbeitslosigkeit, Staatsbürgerschaft, Nostrifizierung, Berufs und Bildungsorientierung, Erfahrungen mit Rassismus, Migrations- und Integrationsprobleme zu nennen.

Hier ist sensible, kulturverständige Beratung genauso notwendig wie Unterstützung bei administrativen Wegen.